„The Hateful Eight“ – reingehen oder nicht?

LACMA_The_Hateful_Eight_Live_Reading Quentin Tarantinos achter Film „The Hateful Eight“ ist sehnsüchtig erwartet worden. Aber ist er sehenswert? Ich war neugierig und hab ihn mir am ersten Spieltag im Kino angeschaut. Hier sind meine drei Gründe, warum man reingehen sollte – und drei, warum man sich „The Hateful Eight“ auch sparen kann.

  1.  Tim Roth, Samuel L. Jackson und Jennifer Jason Leigh – die Darsteller. Tarantino ist ja dafür bekannt, dass er gute Connections zu exzellenten Schauspielern und noch dazu ein gutes Näschen für die richtige Rolle zur richtigen Zeit hat. Wir erinnern uns alle an den speckigen John Travolta in „Pulp Fiction“ und wie herrlich selbstironisch er als Vinvent Vega den Twist mit der Gangsterbraut Mia Wallace tanzte. In „The Hateful Eight“  würden alle Darsteller wahrscheinlich auch in einer Rolle als Hackbraten überzeugen – und sie spielen brilliant zusammen.  Meine Highlights sind Samuel L. Jackson als eiskalter und blitzgescheiter Kopfgeldjäger, Tim Roth als hinterhältiger britischer Henker und Jennifer Jason Leigh als die verhaltensgestörte Gefangenene.
  2. Die Musik. Erstmals hat Tarantino für „The Hateful Eight“ die gesamte Filmmusik komponieren lassen. Der Film hat einen klassisch angehauchten, düsteren Westernsound – und, für mich ein Highlight: mit viel Cello! Sehr cool.
  3. Der Schnee. Für mich gibt es nur wenige Orte, an denen Schnee eine Daseinsberechtigung hat. Der Nordpol, Bergkulissen und Filme gehören dazu. (Zum Vergleich: Gehwege, Schulhöfe und Autobahnen NICHT.) In „Hateful Eight“ spielt der Schnee eine fast genauso große Rolle wie die Schauspieler. Er weht, böht und kriecht unter der Türritze durch. Schließlich ist der Blizzard überhaupt der Grund, weshalb die acht Charaktere in dem Kurzwarenladen in den Bergen festsitzen. Durch den Schneesturm kriegt das ganze Setting etwas Unheimliches und bizzar Gemütliches.

Quentin_Tarantino_Césars_2014Das hört sich jetzt begeistert an. Das liegt daran, dass es die drei Pro-Punkte waren. Ich habe auch noch drei Contras.

  1. Das viele Blut. Okay, es ist nicht echt. Okay, es ist ein Tarantino-Film – das heiß, man weiß es vorher. Und okay, es hat etwas Slapstickhaftes, wenn ein ein gestandener 100-Kilo-Bösewicht aus Versehen Gift trinkt und daraufhin seine Eingeweide in flüssiger Form über die Holzdielen speiht. Ich brauch das aber trotzdem nicht. Ich gucke dann weg. Was uns zum nächsten Punkt führt.
  2. Das Weggucken. Typisch für Tarantino-Filme ist ja diese Getragenheit. Erst werden die Figuren gemächlich vorgestellt, dann folgen lange, manchmal zu lange Dialoge und dann wird auf einmal, völlig unerwartet jemandem ins Gesicht geschossen. Da ich ja eine Wegguckerin bin, muss ich also immer genau aufpassen, wann der Dialog aufhört und das Schießen (wahlweise Schlitzen, Schlachten etc.) anfängt. Bei „The Hateful Eight“ war das einfach. Gut für mich, aber schlecht für den Film. Teilweise  sehr vorhersehbar. Was uns zum letzten Punkt führt.
  3. Kaum Überraschungen. Alles in allem folgt der Film einem erfolgreichen Gesamtkonzept und dem Stil, den Tarantino in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat. Im einzelnen gibt es neue Dinge (wie das Kammerspielsetting), aber im Großen und Ganzen bekommt der Zuschauer, was er von einem Tarantino-Film erwartet. Das muss man nicht zwangsläufig als negativ sehen – aber so richtig umhauen tut es einen eben auch nicht. Mich zumindest nicht.

Mein Fazit: Trotzdem kann ich den Film empfehlen. Denn was ich oben bemängele, ist Jammern auf hohem Niveau. „The Hateful Eight“ ist auf jeden Fall ein Film im oberen Drittel – Tarantino-Fans werden ihn sowieso lieben und Bei-zuviel-Blut-Weggucker  wie ich werden trotzdem gut unterhalten.


Fotos: „LACMA The Hateful Eight Live Reading“ by DavidianSkitzou – Own work. Licensed under CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

„Quentin Tarantino Césars 2014“ by Georges Biard. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

 

 

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3 Gedanken zu “„The Hateful Eight“ – reingehen oder nicht?

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